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      Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich      

Siegmund von Dietrichstein, Freiherr zu Hollenburg 1514-1533
Landeshauptmann der Steiermark.
Das alte Kärntner Adelsgeschlecht Dietrichstein hatte ihre Stammburg Dietrichstein bei Feldkirchen in Kärnten. Im Mittelalter diente das Geschlecht den Bischöfen von Bamberg, zu deren Besitz auch ein Teil Kärntens gehörte. Pankraz von Dietrichstein (†1508) erhielt 1506 von Ks. Maximilian I. das Erbmundschenkamt in Kärnten.
Pankranz Sohn Siegmund wurde von Kaiser Maximilian I. gefördert und kam als Schreiber an die Hofkanzlei. Siegmund wurde ein enger Gefolgsmann der Habsburger. Er war ein erfolgreicher Geschäftsmann und gewann hohen Einfluß am Hof als Verwalter und Finanzier. Ks. Maximilian, immer in Geldnot, verpfändete bzw. verkaufte ihm diverse Güter in Kärnten, so 1508 Burg und Herrschaft Finkenstein sowie 1514 Burg Hollenburg, zu dessen Freiherr Siegmund erklärt wurde. So wurde Siegmund Stifter der nach dieser Burg genannten Hollenburgischen Linie des Hauses Dietrichstein.
Ab 1515 war Siegmund Landeshauptmann der Steiermark und besiegte 1516 die aufständischen Bauern. 1520 organisierte er die Erbhuldigung der steirische Stände für den neuen Herrn, Erzherzog Ferdinand. Dieser bestätigte ihm alle seine Ämter, Privilegien und Besitzungen. Als 1525 ein erneuter Bauernaufstand Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg in Salzburg bedrohte, eilte Siegmund zur Hilfe, wurde aber überfallen und erst nach Beendigung des Konflikts freigelassen.

Siegmund heiratete 1515 Barbara von Rottal, Erbtochter von Georg Rottal. Barbara hat man "recht willkürlich zur natürlichen Tochter Maximilians gemacht" [Wiesflecker].
Barbaras tüchtiger Vater kümmerte sich um Ks. Maximilians Steuereinnahmen und gewährte dem Kaiser private Darlehen. Barbara war ein "Goldvogel", um die sich viele Bewerber rissen. Der Kaiser förderte diese Hochzeit weil er damit finanzielle und politische Vorteile verband: Gestärkt wurde Siegmunds Kreditfähigkeit an den Kaiser und der Einfluß auf die Steiermark.
Während der Festlichkeiten zur habsburgisch-jagiellonischen Doppelverlobung im Juli 1515 in Wien wurde auch Siegmunds Hochzeit mit einem Festmahl gefeiert. Teilnehmer waren Kaiser Maximilian, König Sigismund I. von Polen, König Ladislaus II. von Ungarn, der ungarische Kronprinz Ludwig, dessen Schwester Anna, die Herzoge Heinrich von Braunschweig, Wilhelm IV. und Ludwig X. von Bayern, Albrecht VII. von Mecklenburg, sowie Kasimir Markgraf von Brandenburg-Kulmbach, der Fürsterzbischof von Salzburg, Leonhard von Keutschach, und der Bischof von Regensburg, Johann III. von der Pfalz, und zahlreiche andere Magnaten. Siehe das Bild des Festbanketts am 22. Juli 1515 in Wien .
Für eine Schauprägung zum Anlass der Hochzeit bemühte sich Siegmund 1520 den Stempelschneider Ulrich Ursentaler d. Ä. an der Münzstääte Hall im Tirol zu gewinnen, was ihm erst nach einer Beschwerde beim oberösterreichischen Regiment in Innsbruck gelang.


1/2 Schauguldiner o.J. (1520).   Stempel von Ulrich Ursentaler.   Ø 37 mm  15 g.
Probszt (Kärntner Medaillen) 80; M/T.102; Habich I/1 192b.

Vs.:   +SIG:Von·DIETRICHSTAIN·Frei·Herr·Zu·HOLleNBurg Vnd·FINCKENSTain
Brustbild mit Federhut in Harnisch nach links im Blätterkranz
Rs.:   +BARBARA·VON·ROTAL·FREYIN·ZV·TALBBERG
Brustbild seiner Gemahlin Barbara von Rottal, Freiin zu Talberg, mit Häubchen und Barett im Blätterkranz.


Dickguldiner o.J. (1526), Hall.   Stempel von Ulrich Ursentaler.   Ø 34 mm  29,11 g.
Domanig 23; M/T.103; Schulten 3935; Habich I/1 192a.

Vs.:   +SIGMVND·Von·DIETRICHSTAIN·FREIHER·ZV+   Brustbild n. l. mit breitkrempigem Hut.
Rs.:   HOLENBVRG·VND·FINKENSTAIN·ZC[etc]
Das Dietrichsteiner Wappen : zwei voneinander abgekehrte goldgriffige Winzermesser auf Gold/Rot schräg geteiltem Feld. (korrekte Tinktur: Gold = gepunktet, Rot = senkrecht gestreift.)
Das Wappen symbolisiert das 1506 erworbene Erbmundschenkamt in Kärnten.
Der Ruhm des Stempelschneiders Ulrich Ursentaler war so groß, dass auch die Bischöfe Matthäus Lang (Salzburg) und Bernhard von Cles (Trient) sowie Graf Wolfgang von Montfort ihn beschäftigten.


Bleigussmedaillon 1520.   Ø 66,6 mm, 111,53 g.   Habich vgl.I.,1,192.
Vs.:   Brustbild links mit großem Hut, Vließordenskette, im Feld seitlich die geteilte Jahreszahl.
Doppelter Umschriftskreis.

Rs.:   4 Zeilen Schrift in doppelt gebundenem Eichenkranz.

Siehe das Gemälde von Hans Maler von Schwaz um 1517, 31x27 cm, Schlossmuseum in Weimar [Wikipedia].

Lit.:
• Eduard Holzmair: Münzgeschichte der österreichischen Neufürsten, NZ 71 (1946) S. 6-74 - Hier Seite 21.
• H.Moser / H.Tursky [MT.]: Die Münzstätte Hall in Tirol 1477-1665, Seite 59. Innsbruck 1977.
• Wikipedia: Siegmund von Dietrichstein
• Wiesflecker, H.: Kaiser Maximilian I., Bd.5: Der Kaiser und seine Umwelt - Hof, Staat, Wirtschaft,
  Gesellschaft und Kultur
, 1986. Hier S.272-278.   Google-Auszug

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