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Reichsstädte Deventer, Kampen & Zwolle
Die drei Städte liegen in den Niederlanden an der Ijssel in Overijsse. Alle drei wurden Hansestädte.
In Deventer begann eine königliche Münzprägung unter Ks. Otto II. (983-1002). 1046 schenkte Ks. Heinrich III. die Stadt an den Bischof von Utrecht, der auch die Deventer königliche Münzprägung übernahm. Sein hoher Gewinn aus der Prägetätigkeit ging einher mit einer ständigen Münzverschlechterung. Das widersprach den Interessen der Stadt, denn Handelsstädte wie Deventer brauchten Geldstabilität. Sie versuchten daher der Münzverschlechterung entgegenzuwirken, etwa indem sie die Wechselkurse der verschiedenen umlaufenden Münzen kontrollierten, durch die Bestellung amtlicher Geldwechsler und durch das Verbot bestimmter fremder Prägungen.
Im 15. Jh. erlebte Deventer einen wirtschaftlicher Aufschwung. Das erlaubte der Stadt, ihre Eigenständigkeit gegenüber dem Bischof auszubauen. So kam es schließlich zur städtischen Prägung von Kleingeld parallel zu der bischöflichen. In Münzverträgen von 1479 und 1488 vereinbarten die Städte Overijssels nach einem gemeinsamen Münzfuß zu prägen. Ihre Prägungen wurden der Bevölkerung als Zahlungsmittel vorgeschrieben.
1487 erkaufte sich Deventer für 800 Goldgulden von Ks Friedrich III. das Recht, Goldgulden nach dem Vorbild der Rheinischen Kurfürsten zu prägen. Damit wurden fortan auch die Silberprägungen legitimiert, für die kein früheres städtisches Privileg nachweisbar ist. Höherwertige Münzen wurden aber nur sporadisch geprägt, wenn ein günstiger Silber- oder Goldpreis dem beauftragten Münzmeister einen Gewinn versprach.
Als 1528 das schwache Bistum Utrecht unter der Bedrohung durch Karl von Geldern den Schutz von Ks. Karl V. gesucht hatte war die weltliche Macht in Overijssel vom Kaiser übernommen worden. Als Folge verloren die drei Städte Overijssels an Einfluss auf ihren Landesherren, der durch die Brüsseler Regentin der Niederlande vertreten wurde.
1534 begannen Deventer, Kampen und Zwolle eine gemeinsame Herausgabe von Gold- und Silbermünzen, die sehr erfolgreich werden sollte und bis 1588 fortgeführt wurde. Die gemeinsame Prägestätte lag in Deventer. Die Regentin, Maria von Ungarn, eine Schwester des Kaisers, hatte nur drei Jahre zuvor (1531) in Kampen eine landesherrliche Münzstätte errichtet. Sie erhob sofort Einwände gegen die gemeinschaftliche Prägung der drei Städte, denn geringhaltigere städtische Münzen würden die besseren landeseigenen Münzen verdrängen. Doch die Städte beriefen sich auf ihr kaiserliches Münzrecht sowie auf alle Rechte und Privilegien, die Ks. Karl V. den Städten pauschal bestätigt hatte, als er Landesherr wurde. Die Regentin in Brüssel wollte unbedingt das Münzsystem der Niederlande nach ihren Vorstellungen vereinheitlichen. Die Städte wollten aber nur Münzvorschriften aus dem Reich beachten. Die Regentin wollte auch für Overijssel Umrechnungstarife zwischen den verschiedenen umlaufenden Münzen festlegen, was die drei Städte als Eingriff in ihre Hoheit ablehnten. Als Kompromiss wurden schließlich gesonderte Regelungen für Oberijssel beschlossen.

Gemeinsame Talerprägung
Ab 1538 prägten die drei Städte in ihrer gemeinsamen Münzstätte Deventer auch Taler: Auf die Rückseite ihrer Taler setzten sie 1538 ihre Stadtheiligen (St. Lebuinus für Deventer, St. Nikolaus für Kampen und St. Michael für Zwolle), ab 1546 den gekrönten Kaiser sowie 1567-91 den Reichs-Doppeladler. Damit demonstrierten sie dreierlei, ihre Eigenständigkeit, ihre Kaisertreue und ihre Reichszugehörigkeit. In der Legende betonten sie durchgehend ihren Status als "Reichsstadt". Sie huldigten nicht etwa ihrem Landesherren, sondern nur ihrem Kaiser mit seinem Hüftbild.
Im Vertrag der drei Städte mit ihrem Münzmeister waren der Münzfuß und der Schlagschatz festgelegt. Der Münzfuß (Gewicht und Feingehalt) sollte, zumindest pro forma, den Gepflogenheiten des Heil. Röm. Reichs entsprechen. Der Schlagschatz legte den Gewinn der münzberechtigten Städte fest. Das unternehmerische Risiko trug, wie üblich, allein der Münzmeister, der auch das Silber einkaufen musste, etwa als besserwertige Münzen.


Taler ("Karolusrijksdaalder"), o.J. (1546).     Ø 41 mm, 28,9 g   Delmonte 668; Dav.8530.
Vs.:   DAVENTRIE+CAMPENSIS+ZWOLLENSIS+
Die Wappenschilde der Städte Deventer (Adler), Kampen (Stadttor) und Zwolle (Kreuz)
verbundenen in Kleeblattstellung.

Rs.:   MOneta·NOva·TRIVM·CIVITATVM·IMPERIALIVM  |  CA - ROlus:RO - MAnorum:IMPERator
"Neue Münzprägung der drei freien Reichsstädte   |   Karl römischer Kaiser"
Gekröntes Brustbild Karls V. mit Schwert, Reichsapfel und Vlieskette mit Goldenem Vlies.

Verbot der Taler in den Niederlanden
Der Kaiser schaltete sich persönlich mit Schreiben vom 10. März 1553 ein. Im Schreiben warf er den drei Städten vor, den Edikt vom 31. Mai 1549 missachtet zu haben, nach dem nur noch Münzstände mit eigenen Bergwerken münzen durften, solange keine neue Münzordnung verabschiedet war. Auch die Reichsmünzordnung (RMO) von 1551 werde von den drei Städten missachtet. Die Städte antworteten, sie hätten den Münztag 1549 in Speyer besucht, wo aber keine Beschlüsse gefasst worden seien. Über die RMO von 1551 seien sie ungenügend informiert. Andere Reichsmünzstände würden auch nach altem Fuß weitermünzen. Wenn alle Reichsmünzstände die RMO einhalten würden, würden sie es auch tun.
Der Kaiser hatte gedroht, die Reichstaler in den Niederlanden generell zu verbieten. Als die Verhandlungen ergebnislos blieben, machte er im Oktober 1553 die Drohung wahr. In den Niederlanden sollten nur noch die silbernen Karolusgulden zirkulieren, die ausserdem die Niederlande nicht verlassen durften. Die drei Städte konnten allerdings erwirken, dass das Talerverbot in der Provinz Overijssel nicht publiziert wurde. Somit blieb es dort unwirksam. Ausserdem wurde der Talerverkehr zwischen Overijssel und dem Reich zugestanden, soweit es der Handel erforderte.
Letztlich hat sich der Kaiser als Landesherr nicht stärker durchsetzen können als im übrigen Reich. Als Landesherr hielt er sich ja auch nicht an die RMO. Seine Absicht scheiterte, die erfolgreiche Prägetätigkeit dieser drei Städte zu beenden oder zumindest in sein Münzsystem einzubinden.


Taler, o. J. (1554).   Ø 40 mm   Delmonte 671; Dav.8532.
Ähnlich wie vor, aber Rs. mit Brustbild im Profil und ohne innere Umschrift.



Taler, 1555.   Ø 41 mm.   Delmonte 673; Dav.8534.
Vs.:   DAVENTRIENSIS+CAMPENSIS+ZWOLLENSIS:
Rs.:   ·MONEta:NOVA:TRIVM:CIVITAtum:IMPERIALIVM·
Der seit 1534 tätige Münzmeister Willem van Vierssen musste 1554 wegen Überschuldung aufgeben. Sein Nachfolger Balthasar Wyntgens war sehr erfolgreich. Bereits 1555 prägte er an die 25.000 datierte Taler, in den beiden folgenden Jahren weitere 240.000 Stück mit derselben Jahreszahl.

Diese umfangreichen Prägungen missfielen der neuen Regierung in Brüssel. Karl V. hatte die Niederlande am 25.10.1555 seinem Sohn König Philipp II. von Spanien übergeben. Ende 1556 wurden sämtliche Prägungen von Deventer-Kampen-Zwolle und Nimwegen in den habsburgischen Niederlanden verboten. Die Städte protestierten und der Münzmeister setzte seine Münzprägung fort, wofür er sogar habsburgische Münzen einkaufte und einschmolz. 1563 wurden die drei Städte vor dem Reichskammergericht in Speyer wegen Verstössen gegen die Reichsmünzordnung (RMO) von 1559 angeklagt. In einer Bittschrift an den Kaiser beteuerten die drei Städte ihre Unschuld und wiederholten ihre dem Gericht bereits vorgebrachten Argumente. Ks. Maximilian II. liess schließlich das Verfahren 1564 einstellen. Die Städte hatten die RMO genauestens einzuhalten. Sie mußten außerdem als Münzstände dem Niederrheinisch-Westfälischen Kreis beitreten und sich deren Probationsordung unterwerfen. Die Städte konnten sich aber nur im Bereich des Münzwesens auf den Kaiser berufen, in allen anderen Bereichen war und blieb König Philipp II., also ihr Landesherr zuständig.


Quelle:
• Stefan Gropp :   Die städtische Münzprägung zu Deventer und Nimwegen 1528/43 - 1591. Städtischer
  Partikularismus gegen habsburger Zentralismus in den östlichen Niederlanden.

  Dissertation, Nimwegen 2001 (326 S.).

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