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      Zeitgenossen im Heiligen Römischen Reich      

Christoph I., Markgraf von Baden 1475-1515/27.
Der 1453 geborene Christoph war ein treuer Parteigänger der Habsburger. Er half seinem Onkel Ks. Friedrich III. gegen Karl den Kühnen, als dieser 1474/45 Neuß belagerte. Christoph begleitete seinen Vetter Erzherzog Maximilian nach Flandern, als dieser 1477 die schöne Maria von Burgund heiratete, die Erbin Karls des Kühnen. Im folgenden Krieg gegen Frankreich unterstützte Christoph Habsburg mit eigenen Truppen. Es gelang ihm, die Stadt Luxemburg zurückzugewinnen. Die Habsburger dankten ihm unter anderem mit der Statthalterschaft in Luxemburg und mit dem Orden vom Goldenen Vlies (1491). Markgraf Christoph von Baden vertrat den Kaiser bei seiner zweiten Hochzeit am 30.11.1493 im Mailänder Dom und führte Bianca Maria Sforza nach Innsbruck, wo sie 10 Wochen auf den Kaiser warten musste.
Christoph unterhielt gute Beziehungen zu seinen vielen Nachbarn. Ihm glückten territoriale Erwerbungen. Er reformierte die Landesverwaltung und liess in Baden-Baden die Burg zum Neuen Schloss umbauen, das 1479 seine Residenz wurde.
Nachdem der Markgraf erkrankt war, mußte er 1515 die Regentschaft seinen drei Söhnen übertragen. Im folgenden Jahr kam er unter ihre Vormundschaft. Er starb 1527 im Wahnsinn im alten Schloss Hohenbaden.
Nach seinem Tod teilten sich zunächst die Söhne Bernhard, Philipp und Ernst das Land. Philipp starb 1533; so überdauerten Christophs Länder in der "Ernestinischen" (und protestantischen) Markgrafschaft Baden-Durlach und in der "Bernhardinischen" (und katholischen) Markgrafschaft Baden-Baden. Beide wurden erst im Jahre 1771 wieder vereinigt.

Nach 1475 und 1478 kam es Anfang 1501 erneut zu einer Münzvereinbarung zwischen Baden und Württemberg. Geregelt wurden Art, Feingehalt, Gepräge und Menge der auszuprägenden Münzen sowie die Tarifierung der gemeinsam zugelassenen auswärtigen Münzen. Als grösste Münzen waren Dickpfennige zu 1/8 und zu 1/4 Gulden vorgesehen. Aus der 15-lötigen Mark sollten Dickpfennige in Wert von 8½ Gulden ausgegeben werden. Dieser Münzfuß ist vereinbar mit dem von Sachsen: 8 Guldengroschen aus der 15-lötigen Mark (1500).


1/8 Güldner 1501, Baden Baden.     Ø 25 mm, 3,70 g.     Wielandt 130.
Vs.:   +CRISTOFঃMARC - hIOঃInঃBADEn Mz. (liegende Ranke)
gepanzertes Brustbild des jungen Markgrafen, barhäuptig mit langen Haaren, bartlos, nach rechts gewandt.

Rs.:   ፧MOnETA०nOVAঃBADEnSIS०ANO०1501   Schrift gemischt Gotisch / Antiqua.
Drei Wappen: Baden-Spohnheim (quadriert: Schrägbalken/Schach),
Baden-Hachberg (Schrägbalken/Flug) und Lahr-Mahlberg (Löwe/Querbalken).
Der laut Münzvereinbarung von 1501 vorgesehene württembergische 1/8 Güldner erschien zur gleichen Zeit und trägt das Bildnis des noch sehr jungen Herzog Ulrich.


Die Münzung in Baden stützte sich auf eigene Silberbergwerke. Baden konnte 1513 mit der Prägung von Dickmünzen beginnen, nachdem der König dem Land Bergbaurechte im Breisgau bestätigt hatte. Die frühesten Dickmünzen im Gewicht eines italienischen Testons (ca. 9,6 g) stammen aus der Schweiz und wurden "Dicken" genannt. Die mit 1513, 1518 und 1519 datierten badischen Dicken lauten auf den Namen Christophs, werden aber seinem Sohn Philipp zugeschrieben. Philipp sorgte für das Renaissancebildnis seines Vaters und stellte die Umschrift von Gotik zu Antiqua um.


Dicken (Teston, Dritteltaler) 1518, Baden Baden.     Ø 30 mm, 9,48 g.   Wielandt 109.
Vs.:   ❀CRISTOFERVS·MARCHIO·BADE - Brustbild n.r., bärtig, mit Harnisch, Haarnetz
und Ordenskette des Ordens vom Goldenen Vlies.

Rs.:   ❀MONETA:NOVA:BADENSIS:
Tartsche mit dem quadrierten baden-spohnheimischen Wappen, darüber Jahreszahl 1518.
Hier ist Christophs Büste dem Bildnis des Knieenden auf der Markgrafentafel von Hans Baldung Grien, 1509/10 [64x216 cm, Kunsthalle Karlsruhe] nachempfunden.



Dicken (Dritteltaler) 1519, Baden Baden.     Ø 30 mm, 9,52 g.   Wielandt 118.
Vs.:   ❀CRISTOF◦D◦G◦MARCHIO◦BADENSI  
Brustbild nach links, bärtig, mit Mantel und Klappmütze.

Rs.:   ❀MONETA◦ARGENTEA◦BADENSIS◦  
Tartsche mit dem quadrierten Wappen von Baden und Sponheim (Schach), darüber Jahreszahl 1519
Tartsche ist eine Schildform mit einer seitlichen Einsparung für die Lanze des schildführenden Ritters.
Die Grafschaft Sponheim an der Nahe kam 1504 in den gemeinsamen Besitz von Baden und der Pfalz.
Das Bildnis auf der Münze entstand nach einer Vorlage des Malers Hans Baldung Grien, vergleiche seine Silberstiftzeichnung von 1512 [14x9 cm, Kunsthalle Karlsruhe] sowie eine Ausarbeitung als Ölbild von 1515 [36x47 cm, Alte Pinakothek München].
Eine seltene Variante dieses Münztyps [Scann aus Wielandts Buch, 1955] zeigt den Markgrafen mit dem Goldenen Vlies auf der Brust und über den Perlkreis herausragend sowie auf der Rückseite das Wappen ohne Tartsche.



Dicken o. J.     Ø 30 mm, 9,60 g.     Wielandt 127.
Vs.:   CRISTOFF9[9=us]⋮MARCHIO⋮BADEИSIS⋮  
gepanzertes Brustbild des greisen Markgrafen, barhäuptig mit langen Haaren, bärtig, nach rechts gewandt.

Rs.:   ohne Schrift. Quadriertes Wappen Baden / Sponheim umgeben von der Ordenskette, unten das Goldene Vlies. Umher ein Kranz von Wappen: Baden (1 Uhr), Sponheim, Sausenberg, Rötteln, Badenweiler, Lahr-Mahlberg, Hachberg und Rodemachern (im Uhrzeigersinn)
Schon Erzherzog Sigismund von Tirol, die Stadt Bern und Antoine von Lothringen hatten Gross-münzen herausgegeben, auf denen die Rückseitenumschrift durch einen Wappenkranz ersetzt war.
Der Wappenkreis verdeutlicht das Streben nach Integration zu einem grösseren Territorium, was aber wegen der Verzahnung mit Württemberg und Vorderösterreich nicht zu erreichen war.
Zu den einzelnen Wappen:
Die Herrschaften Sausenberg, Rötteln und Badenweiler bilden das Markgräflerland (zwischen Freiburg und Basel) und kamen durch Erbvertrag 1503 an Baden.
Die Herrschaft Lahr-Mahlberg kam zur Hälfte an Baden, 1422 als Pfand und 1497 durch Kauf.
Hachberg (Hochburg bei Emmendingen) war 1415 durch Kauf aus einer Nebenlinie an die badische Hauptlinie gekommen. Christophs jüngerer Bruder Albrecht übernahm diese Grafschaft, die nach seinem Tode 1488 an Christoph zurückfiel.
Rodemachern (nahe der Mosel südlich von Luxemburg) wurde 1492 von Erzherzog Maximilian konfisziert und Christoph als erbliches Lehen übergeben.

Lit.:
Friedrich Wielandt :   Badische Münz- und Geldgeschichte, Karlsruhe 1955.

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