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Anne de Bretagne   1489-1514 Herzogin der Bretagne
Anne de Bretagne (1477-1514) war die älteste Tochter von Franz II., Herzog der Bretagne. Die Bündnis- und Heiratspolitik der Bretagne war darauf ausgerichtet, die Selbständigkeit des Herzogtums gegenüber dem französischen König zu bewahren. Als erster Bräutigam für Anne war der englische Prinz Eduard V. vorgesehen, den aber sein Onkel Richard III. im Tower verschwinden ließ. Nach dem misslungenen "Guerre folle" (1485-88), einem Aufstand der Feudalherren gegen den minderjährigen Karl VIII., an dem sich auch Annes Vater beteiligt hatte, verlor der bretonische Herzog seine Freiheit in der Bündnis- und Heiratspolitik. Franz II. musste versprechen, keine Allianzen mit Frankreichs Feinden einzugehen. Außerdem bedurfte er der Zustimmung des französischen Königs vor der Verheiratung einer erbberechtigten Tochter. Kurz nach dieser Vereinbarung starb Franz II. und die 12-jährige Anne wurde Herzogin der Bretagne.
Als dann 1490 die 14-jährige Anne - ohne Einwilligung des französischen Königs - per procurationem mit Kg. Maximilian verheiratete wurde, liess Kg. Karl VIII. von Frankreich die Bretagne besetzen. Maximilians Unterstützung für Anne fiel aus und so akzeptierte sie bald eine Verehelichung mit dem französischen König. Karl VIII. musste seinerseits die Ehe mit Maximilians Tochter Margarete von Österreich annullieren, die 1483 als 3jährige mit ihm vermählt worden war. Im Ehevertrag wurde festgelegt: Falls Anne vor Karl stirbt, fällt die Bretagne an Frankreich. Falls Karl vor Anne stirbt, kommt die Bretagne zurück zu Anne, aber eine Wiederverheiratung ist ihr dann nur mit dem französischen Thronfolger erlaubt.
Mit Annes Eheschließung 1492 wurde die Bretagne ein Teil Frankreichs.

Kg. Karl VIII. von Frankreich   ⚭   Anne de Bretagne


Silbermedaille, Lyon, datiert 1493.   Ø 40 mm, 14,86 g.   Armand I, 89,24; Kress Coll.526.
von Louis & Jean Lepère und Nicolas de Florence in Lyon um 1502 oder 1515 geprägt.

Vs.:   +:FELIX:FORTVNA:DIV:EXPLORATVM:ACTVLIT:I:4:9:3:
"Ein glücklicher Umstand brachte ihn, auf den wir lange gesucht haben"
Gekrönte u. drapierte Büste des Königs r., umgehängt der Orden von St. Michael, im Feld französische Lilien.

Rs.:   +:Res:Publica LVGDVNENsis:ANNA:(Löwe):REGNANTE:CONFLAVIT:
"Die Gemeinde Lyon fertigte dies Stück während der Herrschaft von Anne"
Gekrönte Büste der Königin Anne de Bretagne mit Hermelinumhang,
im Feld links französische Lilien, rechts Hermelinschwänze der Bretagne.
Diese Medaille wurde vom Rat der Stadt Lyon in Auftrag gegeben als Geschenk beim Einzug des Königspaares in die Stadt am 15. März 1494. Das Geschenk wurde folgendermaßen arrangiert: Ein sitzender goldener Löwe hielt in seinen Vorderpranken einen goldenen Kelch, in dem sich hundert goldene Exemplare dieser Medaille im Gewicht von jeweils sieben écu d'or befanden. Eines dieser goldenen Exemplare hat sich in der Sammlung der Bibliothèque Nationale in Paris erhalten.


Anne de Bretagne alleine   (7. April 1498 - 8. Januar 1499)
Kg. Karl VIII. starb 1498 nach einem Unfall. Anne war 21 Jahre alt, von ihren 6 Kindern lebte keines mehr. Sie kehrte nach Nantes zurück, noch einmal als Herzogin einer unabhängigen Bretagne. Sie liess dort die folgende Goldmünze prägen:


Cadière, o. J. (1498) Nantes.   Ø 28 mm, 3,42 g.   Dy.358A/358; Friedb.97.
Vs.:   ◇:ANNA:D:G FRANCORV:REGIA:ET:BRITONVM:DVCISSA:
"Anne, von Gottes Gnaden Königin von Frankreich und Herzogin der Bretagne"
Anne v. vorne thront auf einem gotischen Stuhl, gekrönt, mit Lilienzepter und erhobenem Schwert,
auf ihrem Kleid Lilien und Hermelinschwänze.

Rs.:   +SIT◇NOMEN◇DOMINI◇BENEDICTVM◇N
"Der Name des Herren sei gesegnet"   N für Münzstätte Nantes.   (Trennzeichen ◇ = Hermelin)
Gekrönte Hermelinschwänze in den Winkeln des französischen Lilienkreuzes.
Das Wort Cadière stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Stuhl. Schon ältere Silber- und Goldmünzen mit ähnlichem gotischen Thron-Münzbild wurden so genannt. Das gotische Vs.-Münzbild wird hier mit einem Rs.-Münzbild ohne Vielpass verbunden. Die Schrift bleibt gotisch. Bereits 1499 verbot König Ludwig XII. jede Neuprägung im Namen Annes.


Kg. Ludwig XII. von Frankreich   ⚭   Anne de Bretagne
Als Ludwig XII. 1498 die Nachfolge auf dem französischen Thron antrat, liess er seine kinderlose Ehe mit Jeanne de France annullieren, um Anne de Bretagne zu heiraten. Von den 5 Kinder aus Annes zweiter Ehe überlebten sie nur die beiden Töchter. Die ältere, Claude de France, wurde die Erbin der Bretagne. Anne, immer noch auf Unabhängigkeit von Frankreich bedacht, betrieb die Vermählung ihrer Erbtochter mit Karl, dem späteren Kaiser. 1504 wurde ein entsprechender Vertrag zwischen Ludwig XII. und Maximilian I. vereinbart. Doch nach Annes Tod 1514 heiratete Claude Franz von Angoulême, den späteren König Franz I. von Frankreich. Sie wurde die Mutter des Königs Heinrich II. So kam die Bretagne endgültig zu Frankreich.


Bronzegußmedaille, 1499, Lyon.   Ø 114 mm.   Armand I, ?; Kress Coll.527; Scher 140
Modell der Graveure Nicolas Leclerc und Jean de Saint-Priest, Guss der Goldschmiede Jean und Colin Lepère.

Vs.:   +FELICE·LVDOVICO·REGNAnTE·DVODECIMO·CESARE·ALTERO·GAVDET·OMNIS·NACIO·
"In der gesegneten Herrschaft von Ludwig dem zwölften, ein weiterer Cesar, freut sich die ganze Nation"
Erhabene Büste des Königs r. mit einer Krone über der Mütze, umgehenkt die Kollane
des Ordens von St. Michael. Feld mit Lilien, unten der Lyoner Löwe.

Rs.:   +LVGDVNensis·RE·PVBLICA·GAVDEnTE·BIS·ANNA·REGNANTE·BENIGNE·SIC·FVI·CONFLATA·I499·
"Die Gemeinde Lyon erfreut sich der zweiten Regierungszeit der guten Königin Anne, wo ich war gegossen"
Erhabene gekrönte Büste der Königin Anne de Bretagne l.
Feld mit Lilien und Hermelinschwänzen, unten der Lyoner Löwe.


Vergleiche mit dem Bild Anne mit der Heiligen Anne, Ursula und Helene aus dem Stundenbuch der Anne de Bretagne, ca.30x20cm, gefertigt um 1503-08 vom Hof- und Buchmaler Jean Bourdichon (1457-1521),
aufbewahrt in der Bibliothèque nationale de France, Paris.


Lit.:
• La Médaille d'Anne de Bretagne et ses auteurs, par M. Natalis Rondot, Lyon, 1885
  in: The Numismatic Chronicle and Journal of the Numismatic Society 1885, Notices of recent numismatic
  publications (3rd Series, Vol.5, p.161f)     online
• G.F.Hill / G.Pollard: Renaissance Medals from the Samuel H. Kress Collection, 1967
• Stephen K. Scher, Ed.: The Currency of Fame - Portrait Medals of the Renaissance, 1994

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