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St. Vitus
Festtag: 15. Juni
auf Münzen der Abtei Corvey



Abtei Corvey, Heinrich III. von Homburg 1275-1306 :   Pfennig, Höxter.
Ø 18 mm, 1,05 g.   Weingärtner 18.
Vs.:   [HE]NRIC - IA[BATI]   -   Thronender Abt von vorn mit segnender Rechten und Krummstab.
Rs.:   [SANCT]VS·VITVS·MODES[TE]   -   Kopf des Hl. Vitus von vorn.



Abtei Corvey & Stadt Höxter, Reinhard II. von Buchholz 1555-66 :
1/4 Reichstaler 1558, Höxter. Ø 28 mm.   Weingärtner 18.
Vs.:   RENErus·Dei·Gratia·ABBAs·Corbiensis·Et·Civitas·Hoxeriensis·
Der nimbierte Hl. Vitus steht auf einem Löwen, mit Buch und Adler darauf in der Rechten,
Palmzweig in der Linken. Zu den Seiten die Buchstaben S - V sowie Stifts- und Familienwappen.

Rs.:   CAROL9·V·ROM·IMPE·SE·AVG·58·   -   gekrönter, nimbierter Doppeladler mit Reichsapfel.

Der Adler soll Vitus bei seiner Flucht mit Proviant versorgt haben.
Der auf Vitus gehetzte Löwe soll sich zahm zu seinen Füssen gelegt haben.


Abtei Corvey, Christoph von Bellinghausen, 1678-96 :   Taler 1686, Höxter.
Ø 50 mm.   Dav.5198.
Vs.:   ¤ CHRISTOPHORVS Dei:Gratia:ELECTus.ET CONFirmatus·ABBAS CORBEIensis.Sacri·Romani·Imperii·Princeps·
"Christoph von Gottes Gnaden gewählter und bestätigter Abt von Corvey, Fürst des Heiligen Römischen Reiches"
Dreifach behelmtes Stifts- und Familienwappen (Maueranker), besteckt mit Krummstab und Schwert.
Helmzier mit Abtstäbe, Inful sowie zwei Maueranker.

Rs.:   ¤ SANCTVS VITVS PATRONVS CORBEIENSIS·1683
Hüftbild des jugendlichen hl. Vitus ohne Nimbus, hält in der Linken ein Buch mit einem Adler darauf,
in der Rechten einen Palmzweig. Daneben der Kopf eines zahmen Löwen.


Der Kult des St. Vitus (deutsch: St. Veit) ist sehr alt - sein frühestes Zeugnis findet sich im Martyrologium Hieronymianum, das aus der Zeit um 450 stammt - doch steht nicht fest, wieweit sich die St.-Vitus-Legende, die um 600 in der ehemaligen römischen Provinz Lukania in Süditalien entstand und später in anderen Teilen Italiens, in Frankreich und Deutschland noch weiter ausgeschmückt wurde, eventuell auf historische Tatsachen stützt. Sicher ist aber, daß es sich bei dem Erzieher Modestus und der Amme Crescentia, die nach der Legende mit St. Vitus den Märtyrertod erlitten, um spätere Zusätze handelt.



Fürstabtei Corvey, Karl v. Blittersdorf, 1722-37:   Taler 1723.  Ø 43 mm, 29,04 g.   Dav.2199.
Vs.:   Dreifach behelmtes, quadriertes Schild Stift / Blittersdorf, mit Krummstab und Schwert besteckt.
Rs.:   SANCTVS VITVS PATRONVS CORBEINENSIS   mit Buch, Adler und Palmzweig,
zu seinen Füßen ein ruhender Löwe, im Abschnitt die lateinische Jahrzahl.


Vitus wird als Sohn heidnischer Eltern am Ende des 3. Jahrhunderts in Mazzara del Vallo an der Südwestküste Siziliens geboren. Sein Vater Hylas, der ihn um jeden Preis, aber erfolglos vom christlichen Glauben fernhalten will, schleppt den ungefähr siebenjährigen Vitus schließlich vor den Präfekten Valerianus. Als dessen Knechte den Jungen mit Knüppeln prügeln wollen, werden ihre Arme gelähmt und erst durch das Gebet ihres Opfers, das in sein Elternhaus zurückgeschickt wird, werden sie wieder geheilt. Um den fortgesetzten Nachstellungen durch den Vater zu entgehen, flüchtet Vitus mit Modestus und Crescentia nach Lukanien, wo ihnen ein Adler täglich Brot bringt. Bald wird Vitus, der durch Wunderheilungen weit herum bekannt wurde, zu Diokletian gerufen. Er heilt den besessenen Sohn des Kaisers, weigert sich aber, dem Christentum abzuschwören und wird mit Modestus in einen dunklen Kerker, den Engel erleuchten, geworfen. Aus einem Kessel mit heißem Öl oder einem glühenden Ofen entsteigt er unversehrt; ein wilder Löwe zerfleischt ihn nicht, sondern legt sich zahm zu seinen Füßen nieder und schlägt ein Kreuz; Haken, mit denen er zerrissen werden soll, werden vom Blitz zerschlagen, und ein Erdbeben läßt die heidnischen Tempel über den Folterknechten zusammenstürzen. Engel lösen nun Vitus und seinen beiden Gefährten die Fesseln und tragen sie zurück an einen Fluß in Lukanien, wo sie betend eines friedlichen Todes sterben. Die Leiber der toten Märtyrer werden von Adlern bewacht, bis sie von der frommen Witwe Florentia aufgefunden und bestattet werden.
Im Jahre 756 ließ Abt Fulrad die Gebeine des hl. Vitus von Unteritalien in sein Kloster St. Denis bei Paris überführen und Abt Hilduin verschenkte sie 836 ganz oder teilweise an das Kloster Corvey bei Höxter an der Weser, wo nun ein bedeutendes Zentrum des St.-Veit-Kultes aufblühte. In Prag baute Herzog Wenzeslaus von Böhmen, der einen Arm des Heiligen aus Corvey erhielt, zur Aufbewahrung der Reliquie eine eigene Kirche, die Vorgängerin des berühmten Veitsdomes. Weitere, eher dubiose Reliquien St. Veits kaufte Kaiser Karl IV. 1355 in Pavia für Prag und wahrscheinlich fanden schließlich auch die Reliquien aus Corvey, die im 30jährigen Krieg geraubt wurden, ihren Weg in diese Stadt.
Vom 13. bis zum 18. Jahrhundert erfreute sich St. Veit, der einer der 14 Nothelfer wurde und ungefähr 40 verschiedene Patronate auf sich vereinigte, höchster Popularität. Nicht weniger als 150 Kirchen rühmten sich des Besitzes angeblicher Reliquien des Heiligen, und mehr als 1300 Kirchen und Altäre wurden ihm geweiht.
Entsprechend seinem bewegten und abenteuerlichen Lebenslauf wird St. Vitus verschieden dargestellt, so als Knabe in einem Kessel über einem Feuer oder mit einem Kessel in der Hand, mit einem Buch, Hahn, Raben, Adler, Löwen oder Wolf und als Patron von Böhmen im Hermelinmantel mit dem Reichsapfel in der Hand.
St. Vitus ist der Patron von Sizilien, Böhmen, Sachsen, Prag und Corvey, der Kessel- und Kupferschmiede, Bierbrauer, Schauspieler, Gaukler, der Krüppel und Lahmen, Tauben, Stummen, Blinden und Augenkranken, der Winzer, Apotheker, Bergleute, der Haustiere, Hunde, Hühner und zahlreicher Quellen. Der Heilige hilft bei Bettnässen, Bissen von Schlangen und tollwütigen Hunden und schützt vor Blitz, Gewitter und Aufregung, aber auch vor krankhaftem Langschlaf, dem Verlust des Glaubens oder der Keuschheit.
Weil er den besessenen Sohn des Kaisers geheilt hatte, erhoffte man sich von St. Vitus auch eine Heilung bei Tobsucht, Epilepsie, der im Mittelalter epidemisch auftretenden Tanzwut und dem nach dem Heiligen benannten "Veitstanz", einer Gruppe schwerer und unheilbarer Bewegungsstörungen, die den Ärzten heute unter Namen wie Huntingdonsche oder Sydenhamsche Cholera bekannt sind.
Hans Herrli, MünzenRevue 6/1991, S.653
Siehe auch heiligenlexikon.de und Wikipedia .

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