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Thebäische Legion
eine Legende im Spiegel der Münzen
Übersichtsartikel von Hans Herrli
(hier ohne Münzabbildungen)
Die Heiligen im einzelnen: Mauritius, Felix und Regula, Ursus, Victor

Vorbemerkung: Die Namen der im folgenden Artikel genannten römischen Herrscher zur Zeit der diokletianischen Christenverfolgung sind in ihrer Ähnlichkeit etwas verwirrend. Eine Zusammenstellung kann hier sicher zu größerer Klarheit beitragen.
Die Herrscher der 1. Tetrarchie (Viererherrschaft) 293 - 1.Mai 305 (Die heute gebräuchlichen Namen der Herrscher in Großschreibung)
• Osten
  - Senior Augustus: Caius Aurelius Valerius DIOCLETIANUS
  - Caesar: Caius GALERIUS Valerius Maximianus
• Westen
  - Augustus: Marcus Aurelius Valerius MAXIMIANUS, gen. HERCULIUS
  - Senior Caesar: Flavius Valerianus CONSTANTIUS, gen. CHLORUS

Um die Mitte des 5. Jahrhunderts verfaßte der Bischof Eucherius von Lyon, angeblich nach Angaben, die bis auf St. Theodor, den ersten Bischof des Wallis, zurückreichten, eine Schrift über das Martyrium einer römischen, in der oberägyptischen Landschaft Thebäis rekrutierten Legion. Nach dieser ältesten erhaltenen Fassung der Legende der Thebäischen Legion wurde Maximianus Herculius, der seit dem Jahre 285 den Westen des Römischen Reiches als Caesar unter seinem Freunde Diokletian und seit 286 als Mitkaiser regierte, die aus 6600 christlichen Soldaten gebildete Legion aus dem Orient zu Hilfe gesandt. Als die Legionäre jedoch in Gallien gegen Christen eingesetzt werden sollten, verweigerten sie ihrem Kaiser den Gehorsam. Maximianus, der mit seinem Feldheer bei Octodurum, dem heutigen Martigny, am Fuße des Großen St. Bernhard lagerte, ließ die meuternde Legion zuerst zweimal dezimieren. Der Kaiser verhängte dabei in der Dezimierung eine Strafe, die im römischen Heere im Falle von Meutereien üblich war. Der Name der Strafe rührt daher, daß jeder zehnte, durch das Los bestimmte Angehörige der aufrührerischen Truppeneinheit hingerichtet wurde. Gewöhnlich genügte dies, um eine Meuterei zu brechen, die Thebäer, angeführt durch den Primicerius Mauritius und den Standartenträger Exsuperius, blieben aber standhaft. Der aufgebrachte Maximianus ließ daraufhin die ganze Thebäische Legion bis auf den letzten Mann niedermachen.
In späterer Zeit wurde die von Eucherius überlieferte Legende immer weiter ausgeschmückt. Die Mannschaftsstärke der Legion wuchs auf die magische Zahl 6666 an und es wurde erzählt, daß die ganze Einheit geschlossen in Jerusalem getauft worden war und daß sie auf dem Weg nach dem Wallis Papst Marcellinus in Rom versprochen hatte, eher zu sterben als die Gebote des christlichen Glaubens zu verletzen. Versucht man, den möglichen geschichtlichen Kern der Legende herauszuschälen, so kann man die späteren Hinzufügungen beiseite lassen, doch besteht bereits die Fassung des Eucherius aus einem Gemisch von Angaben, die zumindest wahr sein könnten, aber auch von offensichtlichen Anachronismen und Erfindungen. Im römischen Heere dienten zur Zeit Diokletians tatsächlich zwei Legionen, die "Tertia Diocletiana Thebaeorum" und die "Prima Maximiana Thebaeorum", welche in Oberägypten, im Gebiet um die alte Hauptstadt Theben, rekrutiert worden waren und die vielleicht vorwiegend aus christlichen Soldaten bestanden. Keine dieser beiden Legionen, aber auch keine andere Einheit des römischen Heeres wird jedoch von Zeitgenossen irgendwie mit einem den Historikern völlig unbekannten Gemetzel im Wallis in Verbindung gebracht. Die von Eucherius genannte Zahl von 6600 Soldaten in der Legion entspricht ungefähr dem theoretischen Mannschaftsbestand nach der Heeresreform Hadrians, doch wurde dieser Sollbestand bei den Legionen des späten 3. Jahrhunderts nie auch nur annähernd erreicht. Diokletian setzte denn auch in seiner Heeresreform die Mannschaftsstärke der Legion auf 1000 bis 1500 Mann herunter. Kommandiert wurde eine Legion zur Zeit Diokletians gewöhnlich von einem Legionstribunen. Die Legende scheint Mauritius in dieser Stellung zu sehen, doch nennt sie ihn "primicerius", ein Titel, der keinem klar bestimmten militärischen Range entspricht. Ein Primicerius war im engsten Sinne des Wortes der Erste in einer auf eine Wachstafel geschriebenen Liste von Namen und im üblichen, übertragenen Sinne der Anführer einer Truppeneinheit beliebiger Größe, aber auch der zivile Vorsteher eines Amtes.
Das Hinschlachten einer ganzen Legion seines eigenen Heeres wäre schon an sich für einen römischen Feldherrn der Kaiserzeit eine mehr als gewagte Maßnahme gewesen, da dies eher zu einem allgemeinen Aufstand als zu einer Beruhigung geführt hätte. Im Falle des Maximianus, der sowohl in Gallien und Britannien wie in Afrika mit Aufständen zu kämpfen hatte, erscheint ein solches Massaker jedoch vollends unwahrscheinlich. Im übrigen verfolgte dieser Kaiser die Christen zwar in Nordafrika, wo sie auch mit politischen Aufrührern in Verbindung gebracht wurden, mit großer Härte, doch nahmen unter ihm die Verfolgungen im europäischen Westteils des Reiches nie dieselben Ausmaße an wie im Osten.
Tatsächlich beruhen viele der Greueltaten, die später dem Maximianus Herculius zugeschrieben wurden, schlicht und einfach auf einer Verwechslung, die selbst heute noch gelegentlich Sammlern römischer Münzen unterläuft. Der Freund und Mitkaiser Diokletians im Westen hieß mit vollem Namen Caius Marcus Aurelius Valerius Maximianus. Er wurde 285 von Diokletian zum Caesar, 286 zum Augustus ernannt, und er mußte im Jahre 305 unter dem Drucke Diokletians zusammen mit diesem von seinem Amt zurücktreten. Die diokletianischen Christenverfolgungen setzten zwar schon einige Jahre früher ein, doch erreichten sie ihren Höhepunkt erst zwischen 305 und 311 in der Regierungszeit des Galerius. Dieser ungebildete und brutale Bauernsohn aus Dakien brachte es erstaunlicherweise bis zum Schwiegersohn Diokletians, 293 zum Caesar und 305 zum Augustus im Osten des Reiches. Der volle Namen dieses unerbittlichen Christenverfolgers war Caius Galerius Valerius Maximianus. Wir nennen heute den Mitkaiser Diokletians meist Maximianus Herculius, wobei Herculius ein Titel ist, den Diokletian, der sich selbst Jovius (der Jupitergleiche) nannte, seinem Juniorkaiser verlieh. Den Nachfolger Diokletians im Osten kennen wir aber als Kaiser Galerius. Den Zeitgenossen waren jedoch beide Herrscher unter dem Namen Maximianus bekannt. Die sehr ähnlich lautenden Namen der beiden Kaiser machten Verwechslungen schon an sich wahrscheinlich, doch würden diese noch durch Galerius gefördert, der oft den Ehrennamen Maximianus in den Vordergrund stellte, um sich im Ruhme des älteren und erfolgreicheren Maximianus Herculius zu sonnen. Wenn schon die Zeitgenossen Mühe hatten, die zwei Kaiser und ihre Taten zu unterscheiden, so galt dies noch viel mehr von der Nachwelt, die oft beide zu einem Christenverfolger Maximianus zusammenzog. Historiker, welche nach dem Ursprung der Legende von der Thebäischen Legion forschten, haben daher auch schon vermutet, daß hier ein Ereignis aus Syrien in das Wallis übertragen wurde, denn im syrischen Apamea soll unter Galerius ein Soldat Mauricius mit 70 seiner Genossen hingerichtet worden sein.
Späte Fassungen der Legende der Thebäischen Legion erzählen, daß diese sich weigerte, gegen die Bagauden zu ziehen und dafür bestraft wurde. Da Maximianus im Jahre 285 zum Caesar ernannt wurde mit der Aufgabe, die Bagauden zu vernichten, scheint damit auch das Datum des Martyriums der Thebäischen Legion festgelegt und bis heute geben selbst angesehene, aber leider allzuoft auch unkritische Lexika hierfür das Jahr 285 an. Dabei wird aber übersehen, daß der spätere Interpolator der Legende die Bagauden für verfolgte Christen hielt. Dies würde zwar die Gehorsamsverweigerung der Thebäer erklären, doch ist die Annahme falsch. Die Bagauden waren in Wirklichkeit landlose und verarmte Bauern und Hirten, die sich in Gallien zu Räuberbanden zusammenrotteten und die zur Zeit Diokletians ganze Heere ins Feld zu stellen vermochten. Es ist wahrscheinlich, daß sich unter den Bagauden auch Christen befanden, doch war das Christentum in Gallien noch längst nicht die vorherrschende Religion und der Aufstand der Bagauden hatte klar soziale und nicht religiöse Gründe. Militärisch hat Maximianus seine Aufgabe bereits 286 mit der Zerschlagung der Bagaudenbanden gelöst, doch änderten sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse damit nicht und später wird wieder vom Auftreten von Bagauden berichtet.
Wenn die Bagauden aber keine Christen waren, so entfällt in der Legende der Grund für das Massaker an der Thebäischen Legion. Im Jahre 285 wäre zwar ein hartes Vorgehen des Kaisers gegen meuternde Truppen durchaus wahrscheinlich, nicht aber die Verfolgung von Soldaten aus rein religiösen Motiven. Noch vor dem Ausbruch einer allgemeinen Christenverfolgung wurde zwar die Armee von Christen in leitenden Stellungen gesäubert, doch kam es, nach der Aussage christlicher Zeugen, im Westteil des Reiches nur zu vereinzelten Hinrichtungen, weil nur eine nominelle Anerkennung der römischen Staatsgötter verlangt wurde. Selbst in der Armee setzten diese Maßnahmen aber nicht vor dem Jahre 297 ein, und es sind überdies keine Fälle belegt, in denen Maximianus Herculius größere Truppeneinheiten gegen Christen eingesetzt hätte. Die Unhaltbarkeit des Jahres 285 als Datum des Martyriums der Thebäischen Legion ist schon lange bekannt. Ein Walliser, de Rivaz, der zu beweisen suchte, daß der Legende ein geschichtliches Ereignis zugrundeliegt, postulierte daher in verschiedenen Schriften, am ausführlichsten in dem 1799 erschienenen Werk "Eclaircissements sur le Martyre de la Légion Thébéenne", das Jahr 302 als neues Datum. Nach de Rivaz erlitt die ganze Legion den Märtyrertod im Jahre 302 auf dem Marsch nach Brindisi, unterwegs zur Einschiffung nach Afrika. Tatsächlich begannen in Nordafrika im Jahre 303 Christenverfolgungen von besonderer Härte, und es mag nicht als unwahrscheinlich erscheinen, daß sich christliche Soldaten weigerten, in Nordafrika eingesetzt zu werden. Wenn die Theorie von de Rivaz auch plausibler ist als frühere, so müssen die ganzen Geschichten um die Thebäische Legion in der auf uns gekommenen Form doch in das Reich der Legende verwiesen werden, weil eine so ungeheuerliche Tatsache wie die Niedermetzelung einer ganzen, einen Befehl verweigernden Legion von den Zeitgenossen nicht stillschweigend übergangen werden konnte. Es gibt zwar dunkle Epochen der Geschichte, wo die Quellen so spärlich fließen, daß jede Kunde von einem solchen Ereignis verlorengegangen sein könnte, doch aus der Zeit Diokletians blieben recht zahlreiche Zeugnisse heidnischer und christlicher Autoren erhalten und es gibt vor allem einen Schriftsteller, der das Massaker an den Thebäern, hätte es wirklich stattgefunden, unbedingt erwähnt hätte. Caelius Firmianus Lactantius, in deutschen Werken oft auch Laktanz genannt, war ein in Nordafrika geborener, christlicher Gelehrter, der im Jahre 303 von Diokletian als Lehrer der lateinischen Beredsamkeit in seine Residenz Nikomedia (das heutige Izmit) in Bythinien berufen wurde. Wegen der ausbrechenden Christenverfolgung mußte Lactantius seine Stelle schon bald aufgeben, und er fristete sein Leben als christlicher Schriftsteller, bis ihn Konstantin der Große im Jahre 317 als Erzieher seines zehnjährigen Sohnes Crispus nach Trier berief. Unter den Werken des Lactantius mit vorwiegend theologischem Inhalt findet sich auch ein leidenschaftlich geschriebenes Buch "De mortibus persecutorum", in dem das Leben und Schicksal der Christenverfolger dargestellt wird. Der Verfasser dieser Schrift war ein Zeitgenosse des angeblichen Martyriums der Thebäischen Legion, er verfügte über beste Beziehungen zu hohen Persönlichkeiten und ausgezeichnete Informationsquellen, und der lebte selbst zeitweilig im Westen des Römischen Reiches. Der Untergang der Legion hätte genau in das Programm seines Buches gepaßt, und wir müssen aus dem Schweigen des Lactantius und anderer christlicher Autoren schließen, daß die Geschichte um das Massaker an den Thebäern keine historischen Tatsachen wiedergeben. Bis heute weiß man nicht, ob im Kern der Legende ein aus anderen Gebieten des Römischen Reiches übertragenes Ereignis oder die Hinrichtung einer kleinen Zahl von Soldaten im Wallis steht oder ob es sich weitgehend um eine spätere freie Erfindung handelt. Die Gebeine der Märtyrer, von denen Eucherius nur St. Mauritius, den Anführer, St. Exsuperius, den Standartenträger, und St. Candidus namentlich nennt, sollen von St. Theodor, dem ersten Bischof des Wallis, in eine von ihm an der Stelle des römischen Ortes Agaunum errichtete Basilika überführt worden sein. Dieser Bischof, dem nicht nur der Bau der ersten Kirche zu Ehren der thebäischen Märtyrer, sondern auch der Abtei, die zur Keimzelle des Ortes St. Maurice wurde, zugeschrieben wird, ist eine geschichtliche Persönlichkeit. Er wird im Wallis auch St. Theodul oder St. Jodel genannt, und er residierte um 380-391 in Octodurum, dem heutigen Martigny, einem Orte am Nordfuß des Großen St. Bernhard, über den seit ungefähr 47 n. Chr. eine ausgebaute römische Heerstraße führte. Im Jahre 381 nahm St. Theodul an der Kirchenversammlung von Aquileia teil, und seine Unterschrift blieb in den Akten dieses Konzils erhalten. Um St. Theodul weben sich fast so viele Legenden wie um die Thebäische Legion, doch was immer der historische Hintergrund der Erzählungen um das Martyrium der christlichen Soldaten aus Ägypten gewesen sein mag, scheint es doch, daß ihre Verehrung tatsächlich vom ersten Bischof von Octodurum eingeführt wurde. Die Biographie eines Abtes Romanus, die um 460 abgefaßt wurde, zeigt den Kult der Märtyrer und das nach ihrem Anführer benannte Kloster St. Maurice, wohin der gallische Abt eine Wallfahrt unternahm, bereits in voller Blüte. In ganz Gallien berühmt wurde diese Abtei aber erst durch ihre "ewige Psalmodie". Es handelte sich dabei um einen Lobgesang, der am 22. November, dem Festtag der Märtyrer, im Jahre 515 oder 516 begonnen wurde und den fünf sich abwechselnde Mönchschöre jahrein und jahraus, bei Tag und bei Nacht, ohne Unterbruch weiterführten.
Ursus
Nach Bischof Eucherius starb die ganze Legion in Agaunum, doch kennt die sich weiterentwickelnde Legende schon früh auch versprengte Angehörige der Truppe, die anderswo ihr Martyrium erlitten. Im römischen Solodurum, dem heutigen Solothurn, sollen zwei fliehende Soldaten der Legion, St. Ursus und St. Viktor, gefaßt und hingerichtet worden sein. Nach der Überlieferung war die erste Pilgerin an ihren Gräbern die hl. Verena, deren eigenes Grab im Münster von Zurzach bald selber zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort wurde. Die Gebeine des hl. Viktor ließ die Burgunderkönigin Theutesind zwischen 473 und 500 in eine eigens für sie in Genf errichtete Basilika überführen, der hl. Ursus ist aber bis heute der Patron von Solothurn, und er wurde von der Stadt auch immer wieder auf ihre Münzen gesetzt. Die St.-Ursen-Kathedrale ist eines der Wahrzeichen der Stadt an der Aare; sie stammt aber, anders als die meisten der Märtyrer der diokletianischen Verfolgung geweihten Kirchen, aus verhältnismäßig später Zeit, aus dem Barock.
Felix und Regula
Über Felix und Regula, zwei weitere Märtyrer aus dem Umkreis der Thebäischen Legion und spätere Stadtpatrone von Zürich, finden sich die frühesten Berichte erst im 9. Jahrhundert. Ihre Legende erzählt, daß die bei den Geschwister auf den Rat von St. Mauritius über die Einöde Clarona (Glarus) nach Turicum, dem späteren Zürich, flohen. Hier versuchte sie ein Richter Decius im Auftrage des Kaisers Maximianus zum Opfern an den römischen Altären und damit zur Verleugnung ihres christlichen Glaubens zu zwingen. Felix und Regula wurden mit heißem Pech, flüssigem Blei, eisernen Rädern und anderen Marterwerkzeugen gefoltert, doch bestärkten sie gleichzeitig Stimmen aus den Wolken in ihrem standhaften Widerstand. Am Ende wurden die bei den enthauptet, im Römischen Reich die übliche Hinrichtungsart für Soldaten, und wie der hl. Dionys von Paris trugen auch sie noch selber ihre Häupter von der Richtstätte am Ufer der Limmat über vierzig Ellen den Berg hinauf zu ihren Gräbern.
Die älteste erhaltene Handschrift dieser Legende trägt am Ende die für einen heutigen Leser entlarvende Bemerkung, daß sie dem Mönche Florentius durch den Heiligen Geist offenbart worden sei, und die Historiker halten denn auch die Geschichten um Felix und Regula fast einhellig für eine recht späte Erfindung, die möglicherweise kaum älter ist als das erste über sie berichtende Manuskript. Dieser Umstand hinderte aber nicht, daß in Zürich Reliquien der Geschwister verehrt wurden. Heute befinden sich diese aber nicht mehr in der Stadt an der Limmat, sondern in Andermatt am St.-Gotthard-Paß, wohin sie während der Reformation in Sicherheit gebracht wurden.
Frühe Zürcher Pfennige zeigen das Kopfbild des hl. Felix oder auch die zu einem Januskopf vereinigten Gesichter von Felix und Regula. Während die Münzen und Siegel von Zürich lange nur die 2 Geschwister als Stadtpatrone zeigten, trat in späterer Zeit noch ein dritter enthaupteter Märtyrer von obskurer Herkunft, St. Exuperantius, hinzu.
Lag sein Schrein geographisch günstig, so konnte sich im Mittelalter die Verehrung eines Heiligen, dem ein besonderes Wunderwirken zugeschrieben wurde, sehr rasch entlang der See-, Fluß- und Landwege ausbreiten. Dabei versuchten auch neuentstehende Verehrungsstätten nach Möglichkeit Reliquien des Heiligen zu erhalten. Der Besitz solcher Reliquien war selbstverständlich von religiöser Bedeutung, doch hatte er auch ganz deutlich eine wirtschaftliche Seite, weil sie viele Pilger anzogen. Die Reliquien einiger Heiliger vervielfachten sich in ebenso wunderbarer wie zweifelhafter Weise, doch störten sich mittelalterliche Pilger offenbar nicht an der Tatsache, daß sie manchmal dasselbe Körperteil des selben Heiligen an verschiedenen Wallfahrtsorten besichtigen konnten. Im Falle der Thebäischen Legion lag der Fall besonders einfach, weil hier Hunderte von Gefährten des hl. Mauritius zur Verfügung standen, und es konnten so an vielen Orten Kirchen entstehen, die versprengten Abteilungen und einzelnen Angehörigen der ägyptischen Truppeneinheit geweiht waren. Solche Verehrungsstätten entstanden meist lange nach der diokletianischen Christenverfolgung an Orten, wo wahrscheinlich tatsächlich wenig oder ganz unbekannte Märtyrer oder wenigstens frühe Christen begraben waren. Um diese bildete sich mit der Zeit eine neue Legende, welche sie mit der Thebäischen Legion in Verbindung brachte, ohne daß es sich dabei gewöhnlich um einen geplanten Schwindel handelte.
Viktor
Weniger bedeutende Wallfahrtsorte dieser Art gab es in Norditalien im Einzugsgebiet der Paßstraße über den St. Bernhard und nördlich der Alpen, außerhalb der Schweiz, hauptsächlich im Rheinland. Hier verehrte man in Bonn St. Cassius und St. Florentius, doch weit berühmter wurden dank der zu ihren Ehren errichteten prachtvollen Kirchen St. Gereon mit seinen angeblich 318 Genossen in Köln und St. Viktor mit seinen Gefährten in Xanten. Dieser St. Viktor ist nicht identisch mit dem gleichnamigen Angehörigen der Legion, der in Solothurn hingerichtet wurde. Soldatenmärtyrer namens Viktor gab es in größerer Zahl, und mehrere unter ihnen fielen der Christenverfolgung unter Diokletian zum Opfer. Außer den schon erwähnten sind wahrscheinlich die bekanntesten aus dieser Gruppe St. Viktor von Marseille und St. Viktor Maurus von Mailand, doch führen gewisse Listen mehr als 40 Heilige auf, welche alle den Namen Viktor trugen.
St. Viktor von Xanten wurde u. a. zum Patron des Stiftes Bassum und der Propstei Wildeshausen in Niedersachsen. Aus Bassum kennt man sehr seltene Silberpfennige eines Grafen von Hoya, die St. Viktor als gerüsteten und gewappneten Ritter zeigen. Auf diesen Heiligen beziehen sich wahrscheinlich auch Münzen aus Bassum und Wildeshausen mit der Legende "Sancte Svenoier". Es gibt keinen Heiligen dieses Namens, und es scheint, daß es sich hier um einen der im Mittelalter nicht allzu seltenen Fälle handelt, wo eine Legende von einem analphabetischen Stempelschneider falsch wiedergegeben wurde.
Mauritius
Numismatisch ist die Tatsache von Bedeutung, daß St. Mauritius zum Patron des im Jahre 962 von Halberstadt abgetrennten Erzbistums Magdeburg wurde. Seit der Zeit Kaiser Heinrichs III. (1039-1056) wurden hier zweiseitige Denare, später und bis ins 15. Jahrhundert in Magdeburg und Halle einseitige Hohlpfennige mit dem Bild des hl. Mauritius geprägt. Der Patron des Erzbistums erscheint auf diesen Brakteaten, die in sehr großer Zahl entstanden, in vielfältiger Gestalt, im Ganz-, Brust- oder Kopfbild, in Rüstung oder im Mantel, allein oder mit Bauwerken und mit verschiedenen Attributen wie einer Fahne, einem Kreuzstab oder einem Palmzweig. Parallel zu diesen Moritzpfennigen, aber in geringerer Stückzahl, wurden in Magdeburg auch Pfennige mit dem Bild des Erzbischofs ausgebracht. Warum in Magdeburg gleichzeitig zwei verschiedene Münztypen geprägt wurden, ist bis heute noch nicht ganz geklärt, doch scheint es, daß der Moritzpfennig vorwiegend für den grenzüberschreitenden Handel bestimmt war.
Weniger bekannt als die Magdeburger Pfennige ist eine Silbermünze aus dem Herzogtum Savoyen, die ebenfalls den Namen des hl. Mauritius trägt. Der Ort St. Maurice gehörte einst teilweise zu Savoyen und er war im Mittelalter sogar zeitweilig Sitz einer savoyischen Münzstätte. Es kann daher nicht verwundern, daß enge und meist freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Hause Savoyen und dem Kloser St. Maurice, dessen Abt seit 1782 (und bis 1951) von Amtes wegen auch savoyischer Graf war, bestanden. Ein beeindruckendes Zeugnis der Verehrung der Savoyer für die Märtyrer der Thebäischen Legion ist das von ihnen gestiftete prachtvolle Kopfreliquiar des hl. Candidus im sehenswerten Schatz der Abtei. St. Mauritius war während kurzer Zeit der nominelle Vormund des Herzogs Carlo Emanuele II (1638-1675), und es war denn auch dieser Herrscher, welcher die Silbermünze, die unter dem Namen San Mauricio bekannt wurde, prägen ließ.
Hans Herrli, MünzenRevue 3/1989, S.294-297
Siehe auch Wikipedia: Thebaische Legion .

Heilige aus der Thebäischen Legion: Mauritius, Felix und Regula, Ursus, Viktor.

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