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St. Rupertus und St. Virgilius
Festtag: 24. September
auf Münzen des Erzbistums Salzburg



Erzbistum Salzburg, Matthäus Lang von Wellenburg, 1519-1540:
Guldiner 1522.     Ø 38 mm, 27,86 g.   Dav.8160.
Vs.:   MATHEVS·CARDinalis - ARchiEPiScopus·SALZB'urgensis - AC EPiScopus GVRCENsis
Brustbild des Erzbischofs Matthäus Lang.
Rs.:   + SS·RVDBERTVS·ET·VIRGILIVS·EPIscopus·SALZBVRGENsis
Bildnisse der beiden heiligen Vorgänger, St. Rudbertus mit dem Salzfaß und St. Virgilius
mit einem Modell des Salzburger Doms.



Erzbistum Salzburg, Paris von Lodron, 1619-1653 :
10 Dukaten 1628, auf die Domweihe.     Ø 43 mm, 34,62 g.   Zöttl 1254, Friedb.729.
Umschrift über beide Seiten:   ECCLES·METROP·SALISB·DEDICATVR 25 SEPT·APARIDE·ARCHIE / SS·RVPERTVS·ET·VIRGILIVS·PATRONI·TRANSFERNVNTVR·24 SEPT
Vs.:   Die beiden Stiftsheiligen St. Rudbertus und St. Virgilius (mit ihren Attributen darunter) thronen auf Wolken einander gegenüber, die Köpfe nach vorn gewandt, und halten ein Dommodell, zu den Seiten die
geteilte Jahreszahl 16 - 28, darunter dreifeldiges, kombiniertes Stifts- und Familienwappen,
darüber Kardinalshut mit herabhängenden Quasten, umher Laubkranz.
Rs.:   Von acht Bischöfen getragener Reliquienschrein, unten zwei Engel mit Rauchfaß.
Unter Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587-1612) war 1598 der gotische Dom abgebrannt. Sein Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems (1612-1619) begann mit einem Neubau im Stil des Barock. Sein Baumeister war der Italiener Santino Solari, der auch unter seinem Nachfolger Paris von Lodron daran weiterbaute. Am 25. September 1628 konnte der Dom geweiht werden, allerdings waren die Türme noch nicht vollendet. Mit großem Aufwand wurde die Überführung der Stiftsheiligen St. Rudbertus und St. Virgilius gefeiert. Zu diesem Anlaß wurde eine umfangreiche Serie von Gedenkmünzen in Gold und Silber vom 20fachen Dukaten bis zum Doppeldukaten und vom 6fachen Taler bis zum 1/4 Taler geprägt. In diese Reihe gehört auch das vorliegende Stück.   [Künker]



Erzbistum Salzburg, Johann Ernst Graf von Thun-Hohenstein, 1687-1709:
Reichstaler 1696.     Ø 41 mm, 29,05 g.   Dav.3510.
Die Vorderseite zeigt die Muttergottes mit dem Jesuskind als Himmelskönigin, die Rückseite St. Rudbertus mit dem Salzfaß. Obwohl St. Rudbertus nur auf Salzburger Münzen erscheint, gibt es kaum von einem anderen Heiligen Darstellungen in so vielen Stellungen und mit so oft wechselnden Gewändern.


Rupert (auch Rudbertus, Robert oder Ruprecht genannt) stammte aus dem rheinfränkischen, mit den Karolingern verwandten Grafengeschlecht der Robertiner. Er war wahrscheinlich Bischof in Worms und kam im Zusammenhang mit dem von den karolingischen Hausmeiern geförderten Missionswerk um 700 nach Bayern. Rupert soll sich zuerst in Regensburg und Lorch aufgehalten und den Bayernherzog Theodo (696-718) bekehrt haben. An der Stelle der völlig verfallenen römischen Stadt Juvavum, einem Gelände, das ihm Herzog Theodo schenkte, gründete Rupert St. Peter das älteste Kloster Österreichs das Frauenstift Nonnberg, das erste Kloster der Benediktinerinnen und den Ort Salzburg. Rupert, der sein Wirken nicht auf Salzburg beschränkte und deshalb auch Apostel der Bayern genannt wird, starb vermutlich am 27. März 718. Er wurde zum Patron Salzburgs und des Klosters auf dem Rupertsberg bei Bingen. Dargestellt wird St. Rupert seit dem 15./16. Jahrhundert mit einem Salzfaß, das ihn als Förderer des Salzbergwerkes ausweist.
Zu seinem Nachfolger hatte Rupert Vitalis bestimmt, der zwar nie formell heiliggesprochen wurde, der aber im Mittelalter unter den heiligen Salzburger Bischöfen die höchste Verehrung erfuhr und noch immer als Apostel des Pinzgaues bekannt ist. Zusammen mit Rupert erscheint auf Münzen gelegentlich ein späterer Nachfolger auf dem Salzburger Bischofsstuhl, der hl. Virgilius.

Der Mönch Virgil kam um 742 aus Irland an den fränkischen Königshof und von dort nach Bayern, wo ihm Herzog Odilo die Abtei St. Peter in Salzburg übergab. Virgilius war nicht zum Bischof geweiht und ließ sich in dieser Funktion durch einen irischen Wanderbischof vertreten. Selbst konnte er die Bischofsweihe erst am 15. Juni 755, nach dem Tode des hl. Bonifatius, des Apostels der Deutschen und päpstlichen Legaten, erlangen. Virgilius lag mit Bonifatius im Streite, weil er die Kugelgestalt der Erde und die Existenz von Antipoden vertrat. Die Kugelgestalt der Erde war schon seit der Antike bekannt, von ihr war auch schon kurz vor Virgilius der große Kirchenlehrer Beda Venerabilis überzeugt. Seine Ansicht war zwar nicht von der Kirche anerkannt, aber auch nicht als ketzerisch verurteilt worden. Die Behauptung der Existenz von Antipoden war jedoch nicht mit der geltenden kirchlichen Lehre zu vereinbaren, und Virgilius mußte diese Ansicht wahrscheinlich widerrufen. Im Jahre 774 überführte St. Virgilius die Reliquien des hl. Rupert in die von ihm erbaute Kathedrale, in der er später auch selber seine letzte Ruhestätte fand. St. Virgil, der sich große Verdienste um die Bekehrung der Slawen in dem von Herzog Tassilo eroberten Kärnten erwarb, starb am 27. November des Jahres 784 und wurde 1233 durch Papst Gregor IX. heiliggesprochen.

Hans Herrli, MünzenRevue 9/1989, S.845
Siehe auch zu Rupert im heiligenlexikon.de
und zu Virgilius im heiligenlexikon.de.

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