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St. Magnus und St. Bruno
Festtag: 6. Oktober
auf Münzen vom Kirchenstaat



Kirchenstaat, Papst Alexander VIII., 1689-91 :   Testone 1690, an II, Rom     Ø 32 mm.
Vs.:   ALEX·VIII·Pontifex·Maximus·INEVNTE·ANno·II·     Büste des Papstes, darunter: HAMERANVS
Rs.:  DIE·NAT·S·MAGNI·EP·OPITER·E·BRVNONIS·ANACHOR   "Am Tag der Geburt der Heiligen ..."
Stehende Heilige Bischöfe Opiter und Bruno. Im Abschnitt: 16-90.
Geprägt zur Erinnerung an die Wahl am 6. Oktober, dem Festtag der beiden Heiligen.


Die Münze zeigt zwei Heilige, zwischen denen auf den ersten Blick keinerlei Beziehung zu bestehen scheint. Beide haben aber ihren Festtag im römischen Kalender am 6. Oktober, und dies ist der Tag, an welchem der am 22. April 1610 in Venedig geborene Pietro Ottoboni, der sich als Papst Alexander VIII. nannte, im Jahre 1689 zum Bischof von Rom gewählt wurde. Wird der Name St. Magnus genannt, denkt man im deutschsprachigen Raum zuerst an St. Magnus aus Füssen, den Apostel des Allgäus, den die Volkssprache St. Mang nennt. Die Münze zeigt aber einen anderen St. Magnus, der einst Bischof von Opitergium war, einem Ort in Oberitalien, der heute Oderzo heißt und ungefähr 25 Kilometer nordöstlich von Treviso liegt. Die Reliquien des Bischofs Magnus, der um 600 starb, werden in Venedig verehrt, wo ihn auch ein Gemälde des Cima da Conegliano in der Accademia zusammen mit Christus dem Erlöser und dem hl. Thomas zeigt.
Anders als St. Magnus zählt St. Bruno zu den Heiligen von mehr als nur lokalem Ruhm. Um das Jahr 1030 in Köln geboren, wurde Bruno 1057 Leiter der Schulen des Bistums Reims. Nachdem ihm bei der Wahl des Erzbischofs von Reims zweimal weniger fähige, aber sich ihr Amt erkaufende Kandidaten vorgezogen wurden, zog sich der enttäuschte Bruno 1083 zuerst in das Benediktinerkloster Molesme und später mit sechs Gefährten zu einem seiner früheren Schüler, dem hl. Hugo, nun Bischof von Grenoble, zurück. Hugo schenkte seinem einstigen Lehrer eine Gebirgswildnis, wo in harter Arbeit eine von hölzernen Einzelzellen umgebene Kapelle, die Keimzelle der späteren Grande Chartreuse und Mutter aller Kartausen, entstand. 1089 rief Urban II., ein anderer ehemaliger Schüler Brunos, seinen Lehrer als geistlichen Berater nach Rom, doch schon zwei Jahre später zog der Begründer des Kartäuserordens, der nun alle ihm angebotenen kirchlichen Ämter und Würden ausschlug, weiter nach Süditalien. Hier gründete er in der Nähe der Stadt Squillace die zweite und dritte Kartause, Santa Maria dell' Eremo und S. Stefano di Bosco, wo er am 6. Oktober 1101 starb und begraben wurde. Den Kartäusern, denen der Fleischgenuß untersagt ist und die täglich wenigstens acht Stunden im Gebet oder mit geistlichen Übungen zubringen, schrieb Guido, der fünfte Prior der Grande Chartreuse und General des einzigen unter den alten Orden, der nie reformiert werden mußte, außer den gewöhnlichen Mönchsgelübden noch Einsamkeit und Stillschweigen als zusätzliche Pflichten vor.
Auf Bildern erscheint Bruno in der weißen Kutte der Kartäuser, mit verschiedenen Attributen wie einem Buch, einem Totenkopf, einem Kreuz oder Olivenzweig. Eine Weltkugel, auf die der Heilige tritt, ist ein Symbol seiner Weltverachtung, Bischofsstab und Mitra zu seinen Füßen stehen als Zeichen für die kirchlichen Würden, die ihm zuerst vorenthalten wurden und die er später verschmähte.
Der Kartäuserorden schuf einige der beeindruckendsten Klöster Europas. Zu nennen wäre hier neben der Grande Chartreuse und der durch Stendhal bekanntgewordenen Kartause von Parma vor allem die Certose di Pavia mit ihrer berühmten, architektonisch einzigartigen Fassade.
Hans Herrli, MünzenRevue 10/1991, S.1131
Siehe zu Bruno auch heiligenlexikon.de und Wikipedia.



Kirchenstaat, Papst Alexander VIII., 1689-91 :   Testone, Rom     Ø 32 mm.
Vs.:   ·ALEXANDER· - VIII·PONT·MAX·   -   Wappen, darüber gekreuzte Schlüssel und Tiara.
Rs.:   SANCTI·BR - VNONIS·   -   Auf einer Wolke kniender Hl. Bruno,
davor liegen Mitra und Bischofsstab.

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