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St. Helena
Festtag: 18. August
Auf Münzen von Trier


Die Legenden bezeichnen die Mutter Kaiser Konstantins des Großen als Stallmagd oder englische Königstochter oder sie nennen einfach Trier als ihren angeblichen Geburtsort, doch in Wirklichkeit wurde Flavia lulia Helena um 257 im bithynischen Ort Drepanon, der 327 zu ihren Ehren in Helenopolis umbenannt wurde, geboren. Sie war die Besitzerin einer Herberge und die halblegitime Frau des späteren Caesars Constantius Chlorus, dem sie 285 den Sohn Constantin gebar. Aus politischen Gründen und unter dem Druck Diokletians mußte sich Constantius im Jahre 289 von Helena trennen, doch lebte diese später hochgeachtet am Hofe ihres Sohnes. Konstantin ließ zu Ehren seiner Mutter in den Münzstätten des Römischen Reiches Kupfermünzen schlagen, und so erscheint das Porträt dieser bedeutenden Frau auch auf Prägungen aus einer Zeit, als sie noch nicht als heilig galt. Nach der Einweihung Konstantinopels im Jahre 330 unternahm Helena eine Wallfahrt nach Jerusalem, wo sie nach einer von St. Ambrosius aufgezeichneten Überlieferung das heilige Kreuz wiederentdeckt haben soll. Die Auffindung des Kreuzes veranlaßte Konstantin zum Bau der Grabeskirche in Jerusalem und bildete den Vorwurf für viele Bildzyklen, so im Dom zu Braunschweig oder in Arezzo, wo Piero della Francesca seine berühmte Freskenreihe in den Jahren 1452 bis 1460 malte. Helena selbst errichtete im Heiligen Lande zahlreiche Kirchen, doch wurde ihr in Deutschland auch der Bau von St. Gereon in Köln zugeschrieben.
Helenas Todesjahr ist nicht sicher bekannt. Sie starb ungefähr 80jährig und wahrscheinlich in Rom, doch wird auch das kleinasiatische Nikomedien als Sterbeort genannt. Die Kaiserin wurde ursprünglich an der Via Labicana in Rom begraben, doch ließ Konstantin den Leichnam später in seine neue Hauptstadt überführen. Der Porphyrsarg der Heiligen ist heute im vatikanischen Museum, Reliquien befinden sich in der römischen Kirche S. Maria in Aracoeli auf dem Kapitol, in der französischen Abtei Hautevillers und in Trier.



Römisches Kaiserreich, Konstantin der Große für seine Mutter Helena :
Nummus (AE Follis), Trier, 337-340.     Ø 14 mm, 1,80 g.   RIC VIII, 143, 55.
Vs.:   FLavia IVLia HE - LENAE AVGusta   -   Drapierte Büste mit Diadem und Halskette rechts.
Rs.:   PAX PV - BLICA / TRP   -   Helena als Pax mit Zweig und Zepter n. l. stehend.



Erzbistum Trier, Sedisvakanz 1715-1716 :
Doppeldukat 1715.     Ø ? mm, ? g.   v. Schrötter 930.
Vs.:   CAPITVLVM - METROPOLITANVM - TREVIRENSE   "Metropolitankapitel von Trier"
Hüftbild St. Petrus mit Schlüsseln und Buch auf Wolken vor dem Wappen von Trier (Kreuz).

Rs.:   SANCTA HELENA - FVNDATRIX - ECCLESIA
Stehende gekrönte St. Helena von vorn mit dem von einem Stock gehaltenen Heiligen Rock
im Abschnitt
SEDE VACANTE / ANNO 1715


Im Abendland wurde Helena vor allem in England verehrt, wo sie als Tochter des legendären Königs Coel von Colchester galt und wo mehrere Orte ihren Namen tragen. Daß auch Napoleons letzter Verbannungsort im Südatlantik den Namen der Heiligen trägt, ist nur einem Zufall zu verdanken: spanische Seefahrer entdeckten die Insel nämlich an einem 18. August, dem Festtag der hl. Helena.
Der heilige Rock, den Helena auf der Münze in ihren Händen hält, ist eine berühmte Trierer Reliquie. Christi "ungenähter Rock", den das Evangelium des Johannes erwähnt, galt den Kirchenvätern als Symbol der einen und unteilbaren Kirche, aber erst im Mittelalter verbreiteten sich in Europa zahlreiche Sagen um ein ganz oder teilweise erhaltenes Kleid Jesu. Nach einer der phantasievolleren, wenn auch völlig anachronistischen Legenden soll Maria die Wolle gesponnen und die Kaiserin Helena den Rock auf dem Ölberg gewoben haben. Später soll das Kleid Pontius Pilatus gegen jede Bestrafung für seine Schuld an der Kreuzigung Christi geschützt haben, und erst als die heilige Veronika Kaiser Konstantin dem Großen das Geheimnis verriet und der Kaiser den Rock an sich brachte, konnte er auch den römischen Prokurator bestrafen.
Während in einigen der Legenden Ritter, Könige oder sogar Kaiser Konstantin den Rock nach Trier bringen, soll nach der Überlieferung, die sich mit der Zeit als die offizielle durchsetzte, die Kaiserin Helena den heiligen Rock zusammen mit anderen Reliquien, einem Nagel vom Kreuze Christi und Gebeinen des Apostels Matthias, der Domkirche ihrer angeblichen Geburtsstadt aus Anhänglichkeit geschenkt haben. Zur Stützung dieser Legende wurde in Trier um 1124 eine Urkunde des Papstes Sylvester I. gefälscht, im Mittelalter ein in solchen Fällen durchaus gängiges Verfahren, und seit 1132 wurde dann der Rock häufiger als echte Reliquie erwähnt.
Im Jahre 1512 wurde der heilige Rock zum erstenmal als Gegenstand öffentlicher Verehrung und vor allem als Lockmittel für Pilger ausgestellt. Der große Erfolg führte zu sich rasch folgenden weiteren Ausstellungen, doch obwohl sich Papst Leo X. 1515 durch eine Bulle für die Echtheit der Reliquie einsetzte, meldeten sich schon früh auch Zweifler. Luther wetterte gegen das "verführliche, lügenhaftige, schändliche Narrenspiei" und in der Warnung an seine lieben Deutschen schrieb der Reformator: "Was thät die neue Bescheisserei zu Trier mit Christus Rock? Was hat hie der Teufel großen Jahrmarkt gehalten in aller Welt und so unzählige Wunderzeichen verkauft!" Die größten Scharen zogen allerdings erst die Ausstellungen der Reliquie im 19. Jahrhundert an die Mosel. 1810 sollen 200.000, 1844 schon 1,1 Millionen und 1891 gar fast 2 Millionen Pilger nach Trier gekommen sein, und es wurde auch von mehreren Wunderheilungen berichtet. Zur gleichen Zeit mehrten sich aber auch die historischen und wissenschaftlichen Untersuchungen, die dem Rock sein angeblich hohes Alter entschieden absprachen. Übrigens war die Echtheit des heiligen Rockes von Trier selbst innerhalb der römischen Kirche nie unbestritten. Die Überlieferung kennt noch mindestens 20 andere heilige Röcke, u. a. in Jerusalem, Galata, Santiago de Compostela, der Kirche S. Giovanni im Lateran und einem Franziskanerkloster im Friaul. Der schärfste Rivale des Trierer Rockes, der sich für seine Echtheit sogar auf ein diesbezügliches Breve des Papstes Gregor XVI. vom Jahre 1843 berufen konnte, wurde jedoch in Argenteuil bei Paris gehütet.
Hans Herrli, MünzenRevue 8/1991, S.900f
Siehe auch heiligenlexikon.de und Wikipedia.

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